Philosophie

Vom Ende der Freiheit

Freiheiten sind nicht selbstverständlich!

Seit Corona wissen wir den Wert der Freiheit zu schätzen: Freiheit, geliebte Menschen zu umarmen; Freiheit, unser Leben selbstverantwortlich zu gestalten; Freiheit, sich für oder gegen eine Therapie zu entscheiden (falls es eine solche überhaupt gibt!); Versammlungsfreiheit, Freiheit der Religionsausübung, Reisefreiheit, Freiheit der eigenen Meinung! Freiheit hat immer auch mit Verantwortung zu tun, und Verantwortung zu übernehmen setzt Mündigkeit und die Wertschätzung einer offenen und demokratisch verfassten Gesellschaft voraus.

Freiheiten sind nicht selbstverständlich! Im Bereich der Medizin sind sie derzeit massiv unter Beschuss!

Zum Beispiel die Freiheit der ärztlichen Berufsausübung. Während Therapie-Leitlinien noch sinnvolle Entscheidungshilfen in einem rasant expandierenden Wissenschaftsumfeld darstellen, gewinnen Studien und Statistik immer größeren Einfluss auf ärztliches Handeln. Der Patient schrumpft zu einer Zahl, seine Individualität kommt mehr und mehr unter die Räder von Algorithmen. Und als wäre das noch nicht genug, bemüht sich eine einflussreiche Gruppe sogenannter „Skeptiker“ darum, Alternativen zur konventionellen pharmakologischen Therapie aus unserem Medizinsystem zu eliminieren. Erfahrung und Empathie von Ärzt*innen oder Wünsche von Patient*innen verlieren dramatisch an Bedeutung in einem Umfeld, in dem die Wissenschaft den medizinischen Alleinvertretungsanspruch erhebt.

Nun ist bereits in mehreren Bundesländern die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ aus der Weiterbildungsordnung gestrichen worden. Begründung: fehlende Evidenz. Dabei schätzen selbst Experten, dass auch im Bereich der „Schulmedizin“ Verfahren und Medikamente zur Anwendung kommen, deren Evidenz in bis zu 70 % ebenfalls nicht gesichert ist.

Durch Elimination der Homöopathie soll der Nachwuchs an homöopathisch ausgebildeten Ärzt*innen radikal dezimiert werden. In absehbarer Zeit soll es keine aktiven homöopathischen Ärzte mehr geben.

Auf diese Weise wird auch die Freiheit der Therapiewahl massiv eingeschränkt: Patient*innen, die sich z.B. homöopathisch behandeln lassen wollen, verlieren ihre entsprechend ausgebildeten Ärzt*innen. Was ihnen bleibt ist das Abwandern zu „Heilern“ oder Therapeuten, die ihnen nicht die Behandlungssicherheit geben können, die sie von ausgebildeten Ärzt*innen erwarten dürfen. Die Skeptiker begründen ihr Vorgehen mit dem „Schutz der Patienten“ vor unwirksamen und damit potentiell gefährlichen Therapien. Gefährlich ist aber nicht die Heilmethoden, sondern deren unsachgemäße Anwendung, und das gilt gleichermaßen für den gesamten Bereich der konventionellen Medizin.

Im Fokus der „Skeptiker“ (und einiger ihrer medialen Handlanger) steht aber nicht nur die Homöopathie: bei ihr ist es wegen des in der Tat noch ungeklärten Wirkmechanismus besonders „einfach“, den Stab über sie zu brechen. Das jüngste Buch einer Vertreterin der „Skeptiker“ lässt erkennen, dass auch Traditionelle chinesische Medizin (TCM), Ayurveda, Osteopathie und andere Verfahren auf der Abschussliste stehen. Dabei wird gar nicht erst der Versuch unternommen, die praktische Relevanz dieser bewährten Heiltraditionen unvoreingenommen zu prüfen. Ebenso wenig finden Erfahrungen und Wünsche von Patient*innen Berücksichtigung. Was (aus Sicht der Skeptiker) nicht sein kann, das darf auch nicht sein!

Auch die Freiheit der Forschung ist Einschränkungen unterworfen: Skeptiker haben den Begriff der „Scientabilität“ als Schranke für eine aus ihrer Sicht „unsinnige“ Forschung aufgebaut: Forschungswürdig ist nur das, was nach herkömmlichem Wissenschaftsverständnis plausibel ist. Das Wirkprinzip der Homöopathie z.B. sollte aus ihrer Sicht gar nicht mehr beforscht werden, weil kein Ergebnis zu erwarten sei, wenn materiell kein Molekül einer Ausgangssubstanz in den Arzneien nachweisbar ist. Wissenschaft legt sich aus Sicht dieser Skeptiker also eine intellektuelle und erkenntnispraktische Selbstbeschränkung auf, die dem eigenen wissenschaftlichen Anspruch dieser Gruppierung diametral entgegen steht.

Freiheit muss verteidigt werden, solange man sie noch hat!

Gleiches gilt für die Artenvielfalt in der Natur wie auch für die Vielfalt der Therapiemethoden in der Medizin. Als Ärzt*innen und Therapeuten müssen wir für Homöopathie, Ayurveda, Osteopathie kämpfen. Aber auch als Patient*innen und mündige Bürger einer offenen Gesellschaft können Sie sich einbringen: werden Sie aktiv und nehmen Sie Kontakt auf mit Gleichgesinnten, z.B. dem „Bundesverband Patienten für Homöopathie“ (BPH – www.bph-online.de) oder einer Initiative zum Erhalt von Naturheilverfahren („Natur- und Schulmedizin gemeinsam“ – www.weils-hilft.de ). Gemeinsam sind wir stärker, gemeinsam können wir erhalten, was uns wichtig ist!

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